Mein erstes Spiel

Oh man, vor anderthalb Jahren, um genau zu sein vor 20 Monaten, habe ich angefangen, Spiele zu entwickeln. Was für eine verrückte Idee, damals. Und jetzt der große Moment: Das erste Spiel kann veröffentlicht werden. Wow! Ein tolles Gefühl, die Seite heute bei der Spiele-Schmiede zu sehen. Okay, es ist nur ein kleines Spiel, aber es ist mein Spiel! 🙂

Und auch wenn es klein ist, hat das Spiel einen langen Weg hinter sich, bis es im Rahmen der „Kleinen Feinen 2“ jetzt die Chance zur Veröffentlichung erhält. Es ist nicht das erste Spiel, was ich entwickelt habe, auch nicht das zweite oder dritte – die liegen allen als unreife Prototypen in verschiedenen Schubladen und Kisten. Die Idee zu „Goldräuber“ entstand im Sommer 2016 auf einem Spaziergang in der Nähe von Montabaur im Westerwald.

Dort gibt es nämlich die Sage von einem Bergwerksmönch, die auf einer kleinen Infotafel am Rand eines Wanderwegs nachzulesen ist. Als ich die Geschichte gelesen hatte, war mir sofort klar, das ist ein super Stoff, um daraus ein Spiel zu machen.

Wer sich also beim Lesen der Geschichte wundern sollte, warum der hilfsbereite Geistermönch ausgeraubt werden soll, so ist dies keine Erfindung des Autors, sondern übernommen aus der Vorlage der Legende: Es ist die Habgier der Menschen und in der Legende sterben die habgierigen Bergleute bei dem Versuch, das Gold zu rauben. Das Spiel ist hingegen offen und es besteht eine realistische Chan

Olaus Magnus Historia om de nordiska folken. Om bergtroll. Utgivningsår 1555.

ce mit etwas (Würfel-) Glück und geschickter Planung dem Bergwerk wieder lebend zu entkommen.

Bei der Recherche zum Thema fand sich dann schnell, dass die für mich zunächst ungewöhnliche Figur eines Bergwerkmönchs gar nicht so selten ist und es ähnliche Sagen und Legenden in vielen Bergwerksregionen gibts, so auch bereits in der Sagensammlung der Gebrüder Grimm. Die Geschichte wandelte sich also für das Spiel: Sie bekam ein offenes Ende und verlor den regionalen Bezug. Thematisch mag das Spiel schnell an „Saboteur“ erinnern. Spielerisch hat es damit aber überhaupt nichts zu tun. Es ist eben ein Spiel, das in einem Bergwerk angesiedelt ist, hat aber sonst nichts mit „Saboteur“ gemein.

Mechanisch ist es viel mehr inspiriert von „Tiefseeabenteuer“: Anstatt in die Tiefe des Meeres dringen die Spieler hier in ein Bergwerk ein und bei der Hälfte schlägt das Spiel um und es ändern sich die Bedingungen für die Bewegung der Spielfiguren. Der besondere Clou bei „Goldräuber“: Das Spiel ist kooperativ und kann auch solo gespielt werden – ein kooperatives Microgame und damit zumindest auch ansatzweise ein wenig innovativ. Die Regelveränderung nach Fund des Schatzes schränkt alle Figuren in ihren Bewegungen ein und gibt zugleich dem Mönch mehr Möglichkeiten, so dass ein Entkommen aus dem Bergwerk in der Regel eine äußerst knappe Angelegenheit ist. Am Ende gibt es keine Siegpunkte: Die Spieler gewinnen, in dem sie mit dem Schatz und dem vermissten Kumpel entkommen oder sie verlieren und werden auf immer im Bergwerk verschüttet.

Während sich der Titel mehrfach verändert hat, ist bei der redaktionellen Bearbeitung nur wenig geändert worden. Ron Hild hat noch die gute Ideen der Lebenspunkte und der Nummerierung der Bergstollen eingebracht, so dass die Spieler nicht mehr ganz frei sind, welche Stollen einstürzen, wenn der Mönch am Zug ist. Das ist thematisch stimmig, macht das Spiel aber noch einmal einen ganzen Tacken schwerer, so dass dies nur als „Profiräuber“-Variante in die Regeln aufgenommen wurde. Die einfacheren Basisregeln sind besser geeignet, um das Spiel auch schon in der Familie mit jüngeren Kindern zu spielen.

So hat letztes Jahr unser damals zweijähriger Sohn die Spielentwicklung intensiv begleitet, in dem er das Würfeln für alle Spieler übernommen hat und auch wenn er nichts anderes gemacht hat, hat er immer wieder „das mit dem Schatz“ zum Spielen eingefordert… das waren neben Obstgarten seine ersten Erfahrungen im Brettspielbereich, Spielentwicklung als Familienaufgabe und Heranführung an das gemeinsame Hobby 😉

Was die Illustrationen angeht, hat Christian Opperer wirklich Schönes gezaubert. Die grafische Gestaltung gefällt mir wirklich richtig gut. Richtig deutlich, was Christian da geleistet hat, wird bei einem Blick auf die grafischen Vorlagen des Prototypen. Der Proto spielte sich genauso gut, war aber bei weitem nicht so schön anzuschauen. Für angehende Autoren eine wichtige Frage, die mich letztes Jahr auch intensiv bei den ersten Spielentwicklungen beschäftigt hat: Wie gut muss ein Spiel aussehen, bevor ich es aus der Hand geben muss. Die Antwort: Auch ein Proto darf toll aussehen, muss er aber nicht. Er muss funktional sein, das ist entscheidend. Die Illustration kommt später und für die Spielentwicklung bindet es nur unnötig viel Zeit und Arbeit, wenn man sich zu früh, um die Gestaltung kümmert. Man sieht aber am Vergleich von Proto und fertigen Illustrationen beispielhaft, wie viel die für den Ersteindruck eines Spiels letztlich ausmachen können. Auch wenn sie erst zum Schluss kommen, sie sind ein zentrales Element des fertigen Spiels; der Teil, der einem Spieler oft überhaupt erst Lust macht, das Spiel mal näher anzuschauen, es in die Hand zu nehmen, auszuprobieren…

Das Spiel hat eine Spielzeit von 5-10 Minuten und eignet sich daher gut als Familienspiel oder zu Beginn bzw. Ende eines längeren Spielabends. Ich denke, wer Spaß mit „Tiefseeabenteuer“ hatte und kooperative Spiele mag, wird auch mit „Goldräuber“ spannende Spielerlebnisse haben und ich hoffe, dass mein kleines, erstes Spiel viele Unterstützer in der Spiele-Schmiede findet, so dass es dann in ein paar Monaten auch tatsächlich veröffentlicht werden kann.

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2 Kommentare zu „Mein erstes Spiel

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    1. Vielen Dank! Das ist super und seit heute morgen ist das Spiel ja tatsächlich finanziert. Großartiges und ein dickes Dankeschön für die Unterstützung.

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