Gurke oder Banane?

Heute ist mit „Fuel Tycoons“ mein zweites Spiel für die „Kleinen Feinen 2“ in der Spieleschmiede gestartet. Die Entwicklung des Spiels erfolgte in mehreren Etappen – und wie das vermutlich häufig in der Spieleentwicklung ist, waren da auch einige Sackgassen dabei mit einigen Prototypen, die nach der ersten abgebrochenen Runde direkt in den Müll gewandert sind.

Am Anfang standen zwei Spiele: „Kobayakawa“ und das über Kickstarter finanzierte Kartenspiel „The Lady and the Tiger“. In meinen Spielrunden war ich der einzige, dem Kobayakawa richtig Spaß machte. Da das Spiel aber schnell gespielt ist, gab es selten viel Gegenwehr am Spieltisch. Mir macht das Spiel Spaß, aber 100% überzeugt war ich auch nicht. Seitdem ich angefangen, selbst Spiele zu entwickeln, ist die Entwicklerperspektive beim Spielen immer mit dabei (wer das nicht will, sollte nienienienienie anfangen, ein eigenes Spiel zu entwickeln). Einmal angefangen, ist der Autorenblick immer da: Wie funktioniert das Spiel? Warum macht das Spaß? Weshalb hakt es an der Stelle usw.? So war das bei Kobayakawa und mir auch. Auch wenn das Spiel schnell gespielt ist, fand ich es z.B. wenig gelungen, dass Spieler schon nach 4 von 7 Runden ausscheiden können und dachte, das muss doch besser gehen.

Dann kam die Ausschreibung eines Wettbewerbs: Für das oben genannte Kickstarter-Projekt, das durch sein wunderschönes Artwork auffällt, wurden als Stretch-Goals weitere Spielideen gesucht, die sich exakt mit dem vorhandenen Material spielen lassen. Hatte ich bis dahin meine Spielideen immer vom Thema her entwickelt, fand ich das spannend, hier erstmalig den anderen Weg zu gehen und das Material als Ausgangsbasis zu nehmen. Am Ende stand ein kleines Spiel, das Stich-, Bluff- und Wettelemente miteinander kombinierte und meiner unmaßgeblichen Meinung als Autor nach ein besseres Kobayakawa mit ganz anderem Material und Thema war.

Nachdem die Einsendung der Spielidee beim Wettbewerb so gar keine Reaktion eingebracht hatte, wanderte das Spiel zunächst in eine dunkle Ecke meines Arbeitszimmers. Als dann die Entwicklung der „Kleinen Feinen 2“ anstand, kramte ich das Spiel noch einmal raus und – weiß der Teufel, wie ich darauf gekommen bin – überarbeitete es zu einem Prototypen, der den Titel „Gurke oder Banane“ trug. Statt „Lady“ oder „Tiger“ waren auf den Karten nun Gurken und Bananen in unterschiedlicher Anzahl vor vier unterschiedlich farbigen Hintergründen abgebildet. Das Spiel hatte 16 Karten, war für 2-4 Spieler gedacht und benötigte zusätzlich noch 5×5 Marker.

Die Grundidee eines variablen Trumpfsystems war bereits enthalten, allerdings waren die Regeln für die Stiche alles andere als intuitiv – und mal ganz ehrlich, wer will ein Spiel über Gurken und Bananen spielen?

Till fand aber dennoch, dass die Idee Potential haben könnte, und so machte ich mich ans Überarbeiten und Testen. Der Weg zum endgültigen Thema mit Öl und Gas führte unter anderem über Burger, Fritten und Kaltgetränke. Bei diesem Prototypen mussten die Spieler die Menü-Wünsche der Spielgruppe am besten erfüllen und erhielten dafür Treuepunkte des Restaurants als Siegpunkte (falls irgendeine Fast Food-Kette da Interesse haben sollte, ich hätte da noch ein kleines Kartenspiel als Give Away ;)).

Zu dem Zeitpunkt stand das Grundgerüst mit der Kartenauslage und der Festlegung auf genau 3 Spieler. In enger Zusammenarbeit mit Till und Ron, die die Redaktionsarbeit für die „Kleinen Feinen 2“ geleistet haben, entwickelte sich das Spiel weiter, so ich gar nicht mehr in allen Details sagen kann, wer welchen Input im Detail gegeben hat. Die beiden haben mir den Ball immer wieder zurückgespielt: Hier hakt es noch, das ist noch nicht 100% stimmig, da musst du nochmal schauen. Es folgten die thematische Neuorientierung, Reduzierung auf 2 statt 3 Items pro Karte und Vereinfachung des Abstimmungsmodus mit ganz am Ende der Entwicklung einer eigenen Karte, die das Abstimmungsergebnis festhält und visualisiert. Das war viel Arbeit, sehr viel Arbeit, aber genau dieses intensive Feintuning haben dem Spiel den letzten Schliff gegeben und – sofern ich das als Autor beurteilen kann – aus einem guten Ansatz ein richtig gutes Spiel gemacht.

Wer sich das Spiel mal anschauen will, findest es aktuell in der Spieleschmiede:

https://www.spiele-offensive.de/Spieleschmiede/fuel-tycoons/

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